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13/12/2015 / birgitrie

Mona

Es ist kein Traum, aus dem sie irgendwann erwacht. Das weiß sie. Sie nimmt es hin. Scheinbar emotionslos. Ihre Gefühle kann sie ausschalten. Das hat sie gelernt.

Sie stellt einen Kochtopf mit Wasser auf den Herd, Stufe 3. Der Plattenspieler ist an. Lied zwei. 11.23 Uhr.

Das Badezimmer ist gleich um die Ecke. Braune Fliesen. 70er-Jahre-Stil. 11.25 Uhr. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Er stellt sich vor den Allibert, frisiert mit dem Metallkamm sein schütteres Haar. Ihre Haare sind locker zu einem Zopf gebunden. Sie blickt ins Leere. Niemand spricht. Er braucht ihr nicht zu sagen, was sie zu tun hat. Es ist immer das gleiche Ritual. Er hat Vorlieben. Sie kennt sie. Aus der Küche hört sie leise Musik.

Sie setzt sich auf den Stuhl, rutscht ans vordere Ende. Er kniet sich auf den Badvorleger. Er schiebt ihr Kleid zurück. Sie trägt immer Kleider, das ist praktisch. Sie schließt ihre Augen, versucht sich ans Meer zu denken. Eins, zwei, drei, vier, fünf. Sie zählt die Möwen am Himmel. Elf, zwölf, dreizehn. Die Schallplatte leiert. Bei 36 ist es vorbei. Meistens. Manchmal bei 43. Oder bei 52.

Heute ist 36. Sie steht auf. Das Kleid fällt. Niemand spricht. Er geht ins Wohnzimmer, füttert die Goldfische. Sie legt eine andere Platte auf. Hildegard Knef. Das Wasser kocht. 11.32 Uhr. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. „Für mich soll’s rote Rosen regnen.“

 

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