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08/08/2012 / birgitrie

Das Ohne-Handy-Dilemma

„Schatz, ich bin in fünf Minuten da. Bussi!“ „Was gibt’s zu Essen?“ „Soll ich den Burgunder- oder den Wacholderschinken kaufen?“ Tagtäglich werden wir Ohrenzeugen von solch essenziellen Gesprächen – dem Handy sei Dank. Aber es gibt auch wichtige Konversationen von unterwegs aus. Etwa: „Holst du mich um 16 Uhr vom Bahnhof ab?“  Wie haben wir das in der Vor-Handy-Ära bloß hingekriegt? Wir wussten schon Stunden vorher, welchen Zug, von dem wir natürlich, ganz ohne Internet exakt wussten, wann dieser abfahren würde, wir nehmen wollten und  natürlich, wann dieser am Bahnhof XY eintreffen würde. Und dann riefen wir unseren persönlichen Abholdienst, von dem wir die Telefonnummer auswendig wussten – oder im Zweifelsfall in einem perfekt upgedateten Notizbuch nachschlugen – von unserem Festnetztelefon (das mit dem Kabel) an. Die schlechter Organisierten unter uns erledigten diesen essenziellen Anruf erst am Ankunftsbahnhof von einer Telefonzelle aus – und büßten – je nach Grad der Flexibilität des Abholdienstes – mit einer mehr oder weniger langen Wartezeit. Aber selbst der schlechter Organisierte hatte wenigstens eine Telefonnummer in Kopf oder auf Papier. Für die ganz schlecht Organisierten lag dann auch noch ein örtliches Telefonbuch in der Telefonzelle. Ein Telefonbuch, in dem alle Nummern zu finden waren – alle! (Bis auf deren weniger, die schon damals eine Geheimnummer hatten. Aber solcher Leute war man eh kaum bekannt.) Zugegeben, das mit dem Nummern merken war früher auch noch um einen Deut einfacher – bei einem Drittel der Länge der Ziffernkolonne. Ich kann mir Nummern eigentlich auch ganz gut merken. Pin-Codes, Passwörter, Postleitzahlen und sogar ein paar Telefonnummern (auch Handynummern). Die meines persönlichen Abholdienstes war auch darunter – bis er seine Nummer gewechselt hat. Eigentlich auch gar kein Problem, ist ja doch im Handy eingespeichert. Neulich machte ich mich ohne Nummern im Kopf und Handy in der Tasche auf die Reise. Schlecht. Ganz schlecht. Aber immerhin konnte ich aus den hinteren Ecken meines Kopfes noch die Nummer einer Telefonauskunft hervorkramen. Und an größeren Bahnhöfen existieren tatsächlich noch Münz-Telefonzellen. „Dieser Anruf kostet sie maximal 1,80 Euro pro Minute.“ „Ich bräuchte bitte die Nummer von ….“ „Piep, piep, piep.“ Zweiter Versuch mit größerem Budget. „Bitte die Nummer von VARGA – Viktor, Anton, Richard, Gustav, Anton in Musterdorf. „Wilhelm-Anton-….?“ „Nein Viktor! Schnell, ich bin in einer Telefonzelle!“ „Piep, piep, piep.“ Weiterhin ohne Nummern im Kopf und mit ca. drei Euro weniger  im Geldbörsel mache ich mich auf, um meinen Zug zu erreichen. Das klappte. Und setzte auf das gute alte Zugtelefon. Zugtelefon? Das gibt’s wohl längst nicht mehr. Schließlich borgte mir der sehr freundliche Schaffner sein Privat-Handy. Die drei in der Telefonzelle verlorenen Euro hätten ihm gebührt. Er wollte nix nehmen. Ich weiß nicht, ob er’s vielleicht beim Anblick seiner Telefonrechnung bereut hat. Etwa 3,20 Euro dürfte ich ihm vertelefoniert haben. Aber ich hab‘ ihn gewarnt, dass der Anruf bei der Auskunft ein bissl teurer ausfällt. Jedenfalls – ich hab‘ aus der Sache gelernt. Ohne (aufgeladenes) Handy mit eingespeicherten wichtigen Nummer geh‘ ich nicht mehr aus dem Haus. Und falls doch, hab‘ ich jetzt zumindest die wichtigsten Nummern in Kopf oder Notizbuch. Kompliziert wird’s erst wieder, wenn ich alle genannten Utensilien vergesse…

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