Skip to content
18/04/2012 / birgitrie

Endstation Niemandsland

Bei Fernverkehrszügen ist das mit den Endstationen ja relativ logisch. Salzburg. Wien. Graz. Klagenfurt. Innsbruck. Bregenz. Villach. Alles – für österreichische Verhältnisse – größere, aber jedenfalls bekannte Städte. Irgendwie aber auch relativ unspannend. Ganz anders bei Nahverkehrszügen. Die passieren zwar „größere“ und bekanntere Städte, enden aber sehr häufig in – selbst für geographisch bewanderte Inländer – völlig unbeschriebenen Orten.

Nicht-Bahnfahrer haben nicht den leisesten Schimmer, wo sich Stainach-Irdning, Kleinreifling, Summerau, Bad Ried, Selzthal, St. Nikola-Struden, Schrambach, Laubenbachmühle oder Weißenbach-St. Gallen befinden. Bahnfahrer wissen es meist nicht viel besser, wissen aber, dass sie den Zug nach Stainach-Irdning nehmen müssen, um nach Bad Ischl zu gelangen. Oder den nach Kleinreifling für Steyr. Den nach Bad Ried wollen sie nach Ried im Innkreis. Den nach Summerau für Freistadt. Den nach St. Nikola-Struden für Perg. Oder den nach Weißenbach-St. Gallen, um nach Waidhofen/Ybbs zu kommen.

Warum also ist so häufig ein völlig unbekannter Ort, den man nur als Bahnhof kennt, Endstation? Stimmt es am Ende doch, das Österreich nur aus Bergen und Tälern besteht? Bei den Endstationen würde es sich demnach um den Ort im Talschluss handeln. Und da befindet sich ja wohl selten eine Großstadt. Das würde Sinn ergeben. Gegen diese Theorie spricht freilich die ungeheure Lust des Österreichers, Löcher durch Berge zu schlagen. Eine Lust, die dem Talschluss ganz klar den Kampf angesagt hat. Außerdem gegen diese Theorie spricht, dass sich viele der aufgezählten Endstationen im Norden des Landes befinden – und da ist mit Bergen und Tälern auch nicht mehr so viel.

Was also hat diesen Orten die endstationäre Ehre erwiesen? Und wer sind diese Orte? Wohnen dort nur Bahn-Bedienstete? Oder gibt es die Orte am Ende überhaupt gar nicht und die Namen stehen allein für die Bahnhöfe Paten? Das würde zumindest erklären, weshalb die Orte kein Mensch kennt. Ich werde mal versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen.

Und eins habe ich dann auch schon herausgefunden. Für die Unbekanntheit von Bad Ried gibt es nämlich eine simple Begründung. Bad Ried gibt es nicht. Also den Ort. Die Endstation schon. Dabei handelt es sich um die Haltestelle bei einem Bad in Ried im Innkreis. Die kommt direkt nach dem Hauptbahnhof der Innviertler Bezirkshauptstadt. Die Erkundungsfahrt in diesen unbekannten Ort kann ich mir also schon mal sparen…

Advertisements
  1. Berliner / Aug 3 2012 10:19

    Schön geschriebener Artikel. Aber gerade für ältere Urlauber sind solche Ziele doch immer wieder interessant. Ruhig, Natur und keine Partys 🙂

  2. gnaddrig / Sep 19 2012 16:59

    Schön geschrieben, das mt Bad Ried ist witzig.

  3. birgitrie / Sep 19 2012 21:28

    dankeschön!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: