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19/06/2017 / birgitrie

Aber die Traurigkeit 

Den Grant kann ich nicht leiden. Aber die Traurigkeit. Die hat Tiefe. Die Traurigkeit ist nicht grantig. Sie ist schmerzhaft. Melancholisch. Unendlich. Unbeschreiblich. Und manchmal sogar schön.

Der Grant ist ein Platzhirsch. Er fährt morgens U-Bahn, er fährt abends U-Bahn. Er säuft. Er schnauzt. Er schlägt. Der Grant ist ein Arschloch. Meistens ignorant. Der Grant mag keine Aufheiterung. Der Grant will in Ruhe gelassen werden. Er braucht Schlaf. Er braucht Kaffee. 

Aber die Traurigkeit? Die Traurigkeit braucht Zeit, braucht Raum, braucht Akzeptanz.

Die Traurigkeit ist kein Arschloch. Sie fühlt sich nur oft scheiße an. Und manchmal schön. Die Traurigkeit kann ich leiden. Aber nicht immer ertragen.

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27/05/2017 / birgitrie

Eisenstadt: Es war einmal ein Stadion

2007 wurde das Lindenstadion im Eisenstädter Schlosspark für baufällig erklärt. Zehn Jahre später liegt es noch immer im Dornröschenschlaf. Fußball ist anderswo. Eine Bildgeschichte.

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17/03/2017 / birgitrie

Den Regen spüren

Ich will den Regen spüren, jeden Tropfen, wie er an meiner Haut abperlt.

Ich will den Regen spüren, damit sich meine Tränen mit den Tropfen vermischen.

Ich will den Regen spüren, mit jeder Faser meines Körpers.

Ich will den Regen spüren, bis es nicht mehr weh tut.

Ich will den Regen spüren, so lang, bis der Kummer weggespült ist.

Ich will den Regen spüren, bis ich ihn  nicht mehr spüren kann.

25/12/2016 / birgitrie

Stirbt einfach weg

Jetzt ist schon wieder wer gestorben. Stück für Stück verflüchtigt sich mein altes Leben. Ich musste es schon lange hinter mir lassen. Aber ich wollte es nicht, war nicht bereit. Musste loslassen und konnte nicht. Sah die schönen Dinge, die ich vorher nicht beachtete.
Ich habe den Abschied noch nicht verkraftet. Aber die Träume, in denen ich in unserem alten Haus bin, werden seltener.
Ich will es nicht mehr sehen, es würde mich verletzen. Es ist nicht mehr das Haus, in dem ich aufgewachsen bin.
Das Haus, das ich meine gibt es nicht mehr. Ich habe es noch nicht hinter mir gelassen. Aber Stück für Stück verschwindet die Welt von damals. Stirbt einfach weg. Ob ich will, oder nicht.

27/10/2016 / birgitrie

Spaßvögel

Ich möchte ein Vogel sein. Ich glaube Vögel haben einen Heidenspaß. Wenn sie abends ihre Kreise ziehen. Immer ein paar Kumpels um sich herum. Manchmal spielen sie Felix Baumgartner, manchmal Gregor Schlierenzauer. Und dann lachen sie sich einen Ast über die plumpen menschlichen Flugversuche.

Ich möchte ein Vogel sein. Vögel kommen mir wie Kinder vor. Unendlich verspielt. Werden Vögel jemals erwachsen? Und wenn ja, wann?

Werden Vögel jemals müde? Haben Vögel jemals Flügelschmerzen? Und wenn ja, gehen (!) sie dann zum Orthopäden? Und Stimmbandprobleme?

Ich möchte ein Vogel sein. Nur einmal kurz ausprobieren.

24/09/2016 / birgitrie

Auf dem Weg

Ich weiß es noch nicht. Bin immer noch auf der Suche. Nicht angekommen. Ich wünsche mir, anders zu sein – zumindest in manchen Bereichen. Aber das bin ich nicht. Ich bin so wie ich bin. Zufrieden. Und auch wieder nicht. Rastlos. Ich will nicht aufhören zu lernen, aber ich will nicht jemand sein, der ich nicht bin. Das geht gar nicht. Und trotzdem bin ich nicht immer ich. Ich bin unzufrieden. Ich hinterfrage mich ständig. Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Manchmal macht es mich wahnsinnig. Ich bin irgendwo mitten auf der Strecke. Noch lange nicht angekommen. Aber ein Stück habe ich geschafft. Ich bin so wie ich bin. Werde weitergehen.

23/07/2016 / birgitrie

München. Das Dorf ist getroffen

Ob ich jemals im Olympia-Einkaufszentrum war, überlege ich. Weihnachtseinkäufe glaub ich. 2007. Groß war es wohl, das Shoppingcenter, alle Stückerl wird es gespielt haben. Genau kann ich mich nicht erinnern.

In der Gegend jedenfalls war ich häufig. Olympiabad. 50 Meter Schwimmbahnen. Abends nach der Arbeit fuhr ich mit der U-Bahn von der Isar-Vorstadt, wo ich gewohnt habe, raus in den Nordwesten der Stadt. Nicht nur einmal verlief ich mich im Olympiapark auf dem Weg von der U-Bahnstation zum Bad. Seltsam verwinkelt war er. Und unübersichtlich. Ärgerlich, ja. Aber Angst? Nein.

Spätabends bin ich oft allein U-Bahn gefahren. Nicht das leiseste Unbehagen. Ratschläge von Kollegen, ich sollte nach dem Spätdienst doch ein Taxi nehmen, wimmelte ich stets ab. Die Öffis fuhren bis zwei Uhr früh. Alles kein Problem.

Als riesiges Dorf wird die bayrische Landeshauptstadt bezeichnet. Genauso habe ich sie wahrgenommen. Das Stadtfeeling hat mir, wie vielen anderen, die hier gelebt und gearbeitet haben, irgendwie gefehlt. Die niedrige Kriminalitätsrate jedenfalls bestätigte das subjektive Sicherheitsgefühl.

Nur einmal in diesen sechs Monaten, in denen ich in München lebte, empfand ich so etwas wie Angst. Obwohl das fast schon zu hochgegriffen ist. Silvester 2007. Marienplatz, Stadtzentrum. Es wird geböllert wie wild.

12. September 2009. Der Fall Dominik Brunner. Am S-Bahnhof Solln treten Jugendliche mehrfach auf den 50-jährigen Manager ein. Brunner hatte zuvor vier Schüler vor den Jugendlichen geschützt. Brunner stirbt. Auf der Seite 3 der Süddeutschen Zeitung wird eindrücklich beschrieben, wie sehr München, das riesige, sichere Dorf, durch diesen Vorfall aus allen Wolken gefallen ist. So etwas passiere in New York, in Chicago, vielleicht in London oder Berlin. Aber in München?

22. Juli 2016, Olympia-Einkaufszentrum. Nichts ist mehr, wie es war.